Neurochirurgie

Die Schönheit einer Paprika unter dem Exoskop

Für Neurochirurgen ist bei Eingriffen an Hirn und Wirbelsäule ein gutes Bild unerlässlich. Um optimale Voraussetzungen für Operationen zu schaffen, benötigen sie ein OP-Mikroskop oder besser ein Exoskop. Die Klinikum Bayreuth GmbH hat nun mit Unterstützung von Leinemann Partner ein Exoskop beschafft.

Ein Exoskop ist ein hochauflösendes 3D-Kamerasystem mit starkem Zoom. Die Kamera befindet sich an einer Halterung und wird über dem Operationsbereich positioniert, ohne den Patienten zu berühren. Das Exoskop vergrößert das Operationsfeld stark und zeigt die Aufnahmen auf einem großen Monitor, der mit 3D-Brillen betrachtet wird. Statt durch ein Mikroskop zu schauen, blicken die operierenden Chirurgen bei ihrer Arbeit auf den Bildschirm. Das gesamte Operationsteam und ÄrztInnen in der Ausbildung können somit ebenfalls das Geschehen verfolgen. Das Gerät macht zudem kleine Strukturen besser sichtbar und ist für die Operateure deutlich ergonomischer, da sie sich nicht permanent über ein Mikroskop beugen müssen. Weiterhin inkludieren diese Systeme 3D-Brillen, die nicht nur cool aussehen, sondern auch die Darstellung des OP-Gebietes deutlich optimieren und so ebenfalls die Operateure unterstützen. Verschiedene weitere Funktionen ermöglichen beispielsweise die Hervorhebung bestimmter Bereiche, sodass unter anderem Tumore besser und sicherer erkannt sowie entfernt werden können. Auch das Klinikum Bayreuth möchte von den Vorteilen eines Exoskops profitieren. 

Die Klinikum Bayreuth GmbH ist ein Krankenhaus der maximalen Versorgungsstufe in Oberfranken. Am Klinikum Bayreuth ist der Medizincampus Oberfranken (MCO) angesiedelt. Dies ist eine Kooperation zwischen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), dem Universitätsklinikum Erlangen und der Universität Bayreuth. Am MCO erfolgt Forschung und die klinische Ausbildung der Studierenden. Mit ihren Standorten Hohe Warte und Klinikum, ihren Kliniken, Fachzentren und dem ambulanten Zentrum (mit den verschiedenen Fachbereichen) bieten die Einrichtungen eine fachübergreifende Rundumversorgung. Als ein Klinikum, das Diagnostik, Therapie, Forschung und universitäre Lehre zum Wohle seiner PatientInnen in der Region Oberfranken vereint, möchte es mit innovativen Geräten die Behandlungs- und Forschungs- sowie Ausbildungsmöglichkeiten stets weiter optimieren.

Nach bereits mehrfacher erfolgreicher vergaberechtlicher Zusammenarbeit beauftragte die Klinikum Bayreuth GmbH erneut Leinemann Partner mit der Betreuung des Vergabeverfahrens. Marco Hohensee und Marisa-Therese Golz vom Berliner Büro führten das Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb nach VgV zusammen mit dem Team der Klinikum Bayreuth GmbH, bestehend aus Vertretern des Einkaufs, der Medizintechnik und dem Klinikdirektor der Neurochirurgie, durch.

Wichtig war dem Klinikum Bayreuth, dass das Gerät nicht nur »auf dem Papier« eine gute Figur macht. Vielmehr sollte es vor der Anschaffung auf »Herz und Nieren« geprüft werden. Daher wurden verschiedene Büroräume im Berliner Leinemann-Bürokomplex kurzfristig während der Verhandlungsphase zu modernen Mini-OP-Sälen umfunktioniert. Die Bieter durften am Vortag zu den Verhandlungen ihre Geräte in separaten Räumlichkeiten zeitlich versetzt voneinander aufbauen. Im Rahmen der Bietergespräche hat das Einkaufs-Team dann eine Teststellung durchgeführt, bei der der Klinikdirektor die Produkte persönlich ausprobierte. Für eine möglichst gute OP-Simulation wurde neben einem medizinischen Modell einer Wirbelsäule auch das Innere einer Paprika unter dem Exoskop begutachtet. Wenn die Teststellung auch in erster Linie dazu diente, dass sich der Auftraggeber einen guten Eindruck von den Geräten und den für ihn wichtigen Funktionalitäten verschaffen konnte, so durften sich auch die Leinemänner und -frauen von der guten Bildqualität begeistern lassen und das 3D-Erlebnis bestaunen.

Die Teststellung war für die Klinikum Bayreuth GmbH in jedem Fall sinnvoll. Sie machte dem Auftraggeber deutlich, auf welche Leistungsmerkmale er im OP keinesfalls verzichten wollen würde, und so konnte er sein Leistungsverzeichnis weiter schärfen und »Fehlkäufe« verhindern.

»Die Möglichkeit, die angebotenen Exoskop-Systeme im Rahmen des Verhandlungsverfahrens unter realistischen Bedingungen zu testen, war für unsere Entscheidung von großem Wert. Der Praxistest hat es uns ermöglicht, neben den technischen Spezifikationen vor allem die ergonomischen und klinischen Vorteile der Systeme unmittelbar zu beurteilen. So konnten wir eine fundierte und transparente Auswahl treffen und sind überzeugt, mit dem nun beschafften Exoskop eine sehr gute Lösung für unseren neurochirurgischen OP gefunden zu haben«, erklärt Dr. Richard Sommerer, Direktor Apotheke und Einkauf Klinikum Bayreuth.

In dem Wettbewerb überzeugte schließlich der Marktführer Olympus Deutschland GmbH mit seinem Exoskop und setzte sich als Auftragnehmer gegen die anderen Marktteilnehmer, die ebenfalls sehr engagiert waren, durch.

Die Klinikum Bayreuth GmbH nutzt nun bald das neue, moderne Exoskop im OP und freut sich, den Operateuren so die Arbeit zu erleichtern und ihren PatientInnen künftig eine noch bessere Versorgung bieten zu können.