Oberbürgermeister-Karl-Lehr-Brückenzug in Duisburg

Neue Brücken für eine wichtige Verkehrsader – Großprojekt in Duisburg

Die Stadt Duisburg realisiert seit über zehn Jahren in zwei Bauabschnitten die Erneuerung des aus insgesamt vier Einzelbrücken bestehenden Oberbürgermeister-Karl-Lehr-Brückenzugs im Duisburger Hafenstadtteil Ruhrort. Die Umsetzung des zweiten Bauabschnitts wurde dabei über die gesamte Projektlaufzeit von Leinemann Partner begleitet und umfasst die vergabe- und baurechtliche Beratung des Ausbaus der Ruhrorter Straße vom nördlichen Widerlager der Kaiserhafen-brücke inklusive der Ruhr- sowie der Hafenkanalbrücke bis einschließlich des Verkehrsknotens Kaßlerfeld.

Als eine der vier Ruhrquerungen in Duisburg besitzt der Oberbürgermeister Karl-Lehr-Brückenzug eine herausragende Bedeutung für den innerstädtischen Verkehr. Gemeinsam mit dem Verteilerkreis Kaßlerfeld im Süden und der dortigen Anbindung an die A40 bildet er eine zentrale Nord-Süd-Verbindung und stellt zugleich eine der wichtigsten Zufahrten zum Duisburger Hafen dar. Täglich nutzen rund 27.000 Fahrzeuge diesen Verkehrskorridor, darunter ein erheblicher Anteil an Schwerlastverkehr.

Die steigenden Verkehrsbelastungen der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass die bestehenden Brückenbauwerke mit einem Alter von über 100 Jahren zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen und Teile der Infrastruktur nur noch in einem eingeschränkten Erhaltungszustand sind. Im Zuge dessen wurden bereits im Jahre 2016 verkehrstechnische Maßnahmen, wie z. B. eine Begrenzung von Achslasten auf zehn Tonnen und eine Beschränkung der Geschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h, zur Reduzierung der Belastungen und dynamischer Effekte eingeleitet. Vor diesem Hintergrund hat sich die Stadt Duisburg nach langer Planung vor mehr als einem Jahrzehnt dazu entschlossen, den gesamten Brückenzug umfassend zu erneuern, um die Verkehrsinfrastruktur nachhaltig zu stärken.

Die Baumaßnahme wird für die Stadt Duisburg von der Wirtschaftsbetriebe Duisburg - AöR in zwei Bauabschnitten umgesetzt. Der erste Bauabschnitt umfasste den Ausbau der Ruhrorter Straße im Norden von dem sogenannten Tausendfensterhaus über die Vinckekanalbrücke bis zu dem nördlichen Widerlager der Kaiserhafenbrücke. Dieser Teil des Projekts konnte bereits im Jahr 2015 erfolgreich abgeschlossen und für den Verkehr freigegeben werden.

Der zweite, deutlich größere Bauabschnitt betrifft den Bereich der Ruhrorter Straße vom nördlichen Widerlager der Kaiserhafenbrücke bis einschließlich des Verkehrsknotens Kaßlerfeld. Aufgrund der Größe und technischen Komplexität des Projekts wurde dieser Bauabschnitt nach umfassender Beratung durch Leinemann Partner unter Berücksichtigung der vergaberechtlichen Vorschriften in mehrere Teilpakete und Lose unterteilt, die unterschiedliche infrastrukturelle Maßnahmen beinhalten.

Den Schwerpunkt bildet das Paket 1, das die zentralen Brückenbauwerke des Brückenzugs betrifft. Die bestehende Ruhrbrücke mit einer Gesamtlänge von rund 180 m sowie die knapp 126 m lange Hafenkanalbrücke werden durch zwei neue Strombrücken ersetzt. Gleichzeitig wird die Kaiserhafenbrücke vollständig zurückgebaut und durch einen neu zu errichtenden Damm ersetzt. Die neuen Bauwerke sollen künftig den gestiegenen Verkehrsanforderungen gerecht werden und eine leistungsfähige Verbindung zwischen Innenstadt, Hafen und Autobahnnetz langfristig sicherstellen.

Ein besonderes technisches Merkmal des Projekts bildet das gewählte Bauverfahren. Die neuen Brücken wurden nach Auftragsvergabe vom erfolgreichen Bieter im Jahre 2020 in großen Teilen über Wasser angeliefert und zunächst auf einem Vormontageplatz zusammengebaut. Anschließend wurden die beiden fertigen Brücken jeweils als ein Teil nacheinander über Pontons eingeschwommen und parallel zu den bestehenden Brückenbauwerken in der sogenannten Behelfslage errichtet. Dadurch konnte der Verkehr störungsfrei über die Behelfslage geführt werden, während nebenan der Rückbau der alten Brücken durchgeführt werden konnte. Die alten Brücken wurden ebenso über Pontons ausgeschwommen. Die neuen Brücken sollen nunmehr ab April 2026 von der Behelfslage in ihre endgültige Position verschoben werden. Dieses spezielle Querverschubverfahren ermöglicht es, den Verkehr während eines Großteils der Bauzeit aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die komplexen Montagearbeiten effizient durchzuführen. Die Freigabe für den Verkehr ist voraussichtlich für Juni 2026 vorgesehen, und die Gesamtmaßnahme inklusive Rückbauarbeiten soll im September 2026 abgeschlossen werden. Der Baufortschritt wurde von der Wirtschaftsbetriebe Duisburg - AöR als Projektleitung für die Bürgerinnen und Bürger auf einer gesonderten Internetseite anhand von Schaubildern, Animationen und Videos stets aktuell dokumentiert (www.ob-karl-lehr-bruecke.de/baufortschritt).

Neben den Brückenbauwerken umfasst das Projekt eine Vielzahl weiterer infrastruktureller Maßnahmen. So beinhaltet das Paket zwei die Umlegung verschiedener Versorgungsleitungen, darunter Strom-, Gas- und Wasserleitungen, sowie die Errichtung eines unterhalb des Hafenkanals in 28 m Tiefe liegenden und 220 m langen Leitungstunnels in Form eines Dükers, welcher über zugehörige Schachtbauwerke mit einem Durchmesser von ca. 14 m erreichbar war. Das Bauwerk umfasst den gesamten Medien- und Leitungsbestand zwischen dem Kaiserhafen und dem Pontwert, sodass eine dauerhafte und brückenunabhängige Verbindung realisiert und der abschließende Querverschub der Brücken ermöglicht wird. Weitere Projektbestandteile sind der spätere Umbau des Verkehrsknotens Kaßlerfeld sowie umfangreiche Maßnahmen im Bereich des Gleisbaus. Damit betrifft das Projekt nicht nur den motorisierten Individualverkehr, sondern auch den öffentlichen Personennah- sowie den Rad- und Fußverkehr.

Angesichts der technischen und organisatorischen Komplexität des Gesamtprojekts kam einer strukturierten Projektorganisation sowie einer rechtssicheren Vergabe- und Vertragsgestaltung eine besondere Bedeutung zu. Diese erforderliche rechtliche Begleitung des Projekts erfolgt durch den Düsseldorfer Standort von Leinemann Partner in Person von Oliver Schoofs (Partner) und Mark von Dahlen (Salary Partner) seit dem Beginn des Projekts im Jahre 2018. Die Beratung umfasste die Vergabe sämtlicher Planungs- und Bauleistungen in entsprechenden öffentlichen Vergabeverfahren, um eine effiziente und koordinierte Umsetzung der verschiedenen Projektbestandteile sicherzustellen. Neben den reinen Planungs- und Bauleistungen mussten auch weitere erforderliche Leistungen, wie beispielsweise der Rückbau über Gewässern, die geotechnische Fachbauleitung, Prüfingenieur- sowie Schwimmstabilitätsleistungen, komplexe Leitungseinzüge durch tiefe Tunnelbauwerke oder vorgezogene Leistungen zur Erkundung der Kampfmittelbelastung, beschafft werden.

Nach der Vergabe aller erforderlichen Planungs-, Bau- und sonstigen Leistungen erfolgt durch Leinemann Partner seitdem die baubegleitende rechtliche Beratung während der Umsetzung der Baumaßnahme. Mit der Erneuerung des Oberbürgermeister-Karl-Lehr-Brückenzugs setzt die Stadt Duisburg ein bedeutendes Infrastrukturprojekt um, das für die Leistungsfähigkeit des innerstädtischen Verkehrs sowie für die wirtschaftliche Anbindung des Duisburger Hafens von zentraler Bedeutung ist. Das Projekt wird damit einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Sicherung einer leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur in der Region leisten.